Die Festool Entwickler Matthias Kübeler und Andreas Sdrzallek

Tech Talk: Die SawStop-Technologie

Die Entwickler der neuen TKS 80 im Interview

Wie viel Aufwand steckt eigentlich hinter der Entwicklung der neuen TKS 80 und wie funktioniert die SawStop-Technologie genau? Wir haben im Festool Tech Talk mit den leitenden Entwicklern Matthias Kübeler und Andreas Sdrzallek über die neue Tischkreissäge gesprochen.
Die Festool Entwickler Matthias Kübeler und Andreas Sdrzallek
Andreas Sdrzallek und Matthias Kübeler

Andreas Sdrzallek (im Bild links) leitet das Entwicklungsteam im tschechischen Česká Lípa, dem Entwicklungsstandort der neuen Tischkreissäge.

Matthias Kübeler (im Bild rechts) leitet die Vorentwicklung bei Festool und ist für die Entwicklung und Integration der SawStop-Technologie verantwortlich.

Was zeichnet die SawStop-Technologie aus?

MK: Sie reduziert das Risiko ernsthafter Schnittverletzungen des Anwenders, wenn dessen Hand in das Sägeblatt gerät. Das Ganze passiert blitzschnell. Innerhalb von nur fünf Millisekunden bremst das Sägeblatt ab und man trägt lediglich einen Kratzer davon.

Das klingt beeindruckend. Aber wie funktioniert die SawStop-Technologie denn genau?

AS: Eigentlich ganz einfach: Ausgelöst wird die Funktion über einen kapazitiven Sensor. Wenn dieser den Kontakt mit menschlicher Haut registriert, löst eine Patrone aus – und alles steht still. Das Herzstück der SawStop-Technologie ist die Patrone, die einen Alublock mithilfe einer Feder ins Sägeblatt treibt, wenn es bei laufendem Betrieb in Kontakt mit menschlicher Haut kommt.

Die SawStop-Technologie ist ja ein Feature, das es so bislang in Europa noch nicht gab.

MK: Richtig, die TKS 80 wird die erste portable Tischkreissäge in Europa sein, die mit solch einer Technologie auf den Markt kommt. Sie bietet uns eine einzigartige Chance, das Leben des Handwerkers sicherer zu gestalten und ihn so zu schützen. Und dafür wollen wir auch gerne weiterhin investieren.

Was aber nicht heißt, dass man sich bei der Arbeit nicht mehr konzentrieren muss …

AS: Richtig, der korrekte Umgang mit dem Werkzeug ist entscheidend. Am Ende kann man sagen: Es ist sehr wichtig, dass solche technischen Features die Arbeit mit Tischkreissägen deutlich sicherer machen. Man sollte dennoch wachsam bleiben bei der Arbeit und nicht fahrlässig werden. Die Technologie ist nur die letzte Instanz, um den Kunden zu schützen, falls doch einmal etwas passiert.

Wie groß ist das Team, das an der TKS 80 arbeitet? Und wie sehen eure Rollen dabei aus?

MK: Das Schöne ist ja, dass nicht nur wir beide an der TKS 80 arbeiten, sondern ein internationales Team. Wir sind über 30 Personen, die an der Entwicklung der neuen Tischkreissäge beteiligt sind. Sie wurde zu einem großen Teil in Česká Lípa entwickelt, mit Unterstützung der Kollegen in Wendlingen und bei SawStop in den USA. Ich bin dabei verantwortlich für die Integration der SawStop-Technologie.

AS: Ich bin der Entwicklungsleiter am Standort Česká Lípa und verantwortlich für die Team- Integration und für das Bereitstellen der Ressourcen, die seitens der Entwicklung benötigt werden. Konstrukteure für Hardware und Software haben wir hier am Standort Wendlingen. Ich koordiniere die Kommunikation zwischen den verschiedenen Standorten.

Wie lief die Zusammenarbeit während des Projekts?

MK: Wir hatten über alle Standorte hinweg von Anfang an einen richtig guten Spirit im Team bei diesem Projekt. Die Motivation war einfach hoch, so eine tolle Technologie in die Säge zu integrieren und sie dem Handwerker zur Verfügung zu stellen.

AS: Es war für uns vor allem motivierend, für den Handwerker ein Produkt zu entwickeln, das seine Arbeit deutlich sicherer macht.

„Man sollte dennoch immer wachsam arbeiten und nicht fahrlässig werden. Die SawStop-Technologie ist nur die letzte Instanz, falls doch einmal etwas passiert.“

Andreas Sdrzallek, Leiter Entwicklung Festool s.r.o.

Wie viele Würstchen mussten als Test-Dummies dran glauben?

MK: Würstchen haben wir gar nicht so viele verschlissen, da den Würstchen durch die Technologie ja außer einem Kratzer auch nichts passiert. Aber die angekratzten Würstchen haben wir natürlich alle hinterher mit dem Team zusammen gegessen (lacht).

Kann man die SawStop-Technologie auch in anderen Festool Sägen nachrüsten?

AS: Aufgrund der Komplexität des Gesamtsystems ist das leider nicht möglich, da man am bestehenden System einfach zu viel umbauen müsste.

Abgesehen von der SawStop-Technologie: Sägen kann die neue TKS 80 ja auch richtig gut, oder?

AS: Absolut. Wir haben eine richtig gute Säge mit den typischen Festool-Genen entwickelt. Die TKS 80 schützt also nicht nur die Finger, sondern überzeugt selbstverständlich auch in den klassischen Disziplinen wie Präzision und Schnittqualität.
Die Festool Entwickler Matthias Kübeler und Andreas Sdrzallek
Die SawStop-Technologie in der Festool Tischkreissäge TKS 80
Die SawStop-Technologie in der Festool Tischkreissäge TKS 80
Die SawStop-Technologie in der Festool Tischkreissäge TKS 80

Bezieht ihr denn unsere Kunden bei der Entwicklung der Tischkreissäge mit ein?

AS: Auf jeden Fall! Zusammen mit den Kollegen von der Anwendungstechnik und vom Produktmanagement gehen wir raus zu den Kunden, fragen deren Bedürfnisse ab und arbeiten das Feedback ein, um diese Wünsche bestmöglich zu implementieren.

MK: Wir freuen uns natürlich über jedes Feedback, das wir bei Befragungen oder auf Messen bekommen. Wir versuchen, dieses Feedback in den weiteren Entwicklungsprozess einfließen zu lassen. Ab einem gewissen Zeitpunkt in der Entwicklung ist die Feedbackphase jedoch beendet und das Gerät wird finalisiert.

Gab es spezielle Herausforderungen bei dem Projekt?

AS: Herausforderungen gibt es bei jedem Entwicklungsprojekt und es gibt auch eine Reihe von Rückmeldungen zu einem späteren Zeitpunkt, die man immer wieder einarbeiten muss. Was besonders viel Spaß gemacht hat, war die fachübergreifende Zusammenarbeit. Hier war auch der Erfahrungsschatz der SawStop-Kollegen aus den USA sehr hilfreich, da diese ja mit der SawStop-Technologie schon länger auf dem US-amerikanischen Markt sind.