Zwischen Werkbank und Kamera

Ben Berger über Handwerk, Haltung und Content

Der Tischlergeselle Ben Berger vereint klassisches Handwerk mit moderner Kommunikation wie kaum ein anderer. Mit mehr als 390.000 Followern auf Social Media zeigt er nicht nur Möbelbau und Werkstattalltag, sondern spricht auch über Ausbildung, Arbeitsbedingungen und die Zukunft des Handwerks. Dabei macht er eines von Beginn an klar: Im Mittelpunkt steht für ihn immer das Handwerk. 

Ben, wie würdest du dich selbst beschreiben – Tischler oder Content Creator? 

Ganz klar: Tischler. Social Media gehört zu meinem Alltag dazu, aber an erster Stelle steht immer das Handwerk. Ich bin kein Content Creator, der nebenbei ein bisschen tischlert – ich bin ein Tischler, der weiß, wie man eine Kamera bedient.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus – Werkstatt oder Kamera? 

Am liebsten würde ich sagen, ich hätte einen festen Ablauf – habe ich aber nicht. Morgens starte ich mit E-Mails und schaue, was gerade Priorität hat. Danach geht's zwischen Werkstatt, Kundenterminen, Telefonaten und Content hin und her. Aktuell reagiere ich oft einfach auf das, was gerade ansteht. 

Du baust parallel deine eigene Schreinerei auf. Was steckt dahinter? 

Gemeinsam mit meiner ehemaligen Ausbilderin baue ich die Schreinerei Im.Perfekkt auf. Der Name ist bewusst gewählt: Nicht alles muss perfekt sein. Uns geht es darum, Dinge auszuprobieren, zu lernen und besser zu werden. Genau so sind wir auch gestartet – in einer alten Zimmerei, die wir erst einmal monatelang renovieren mussten.  

Wie hat deine Reise als Creator begonnen? 

Eigentlich ganz unspektakulär. Während der Ausbildung habe ich angefangen, Videos zu machen – ohne Plan und ohne große Strategie. Nach der Ausbildung ging es kurz in den E-Commerce, parallel habe ich meine Werkstatt aufgebaut und weiter Content produziert. Irgendwann wurde daraus mehr als nur ein Hobby. 

Wer schaut dir eigentlich zu? 

Überraschend viele Handwerker. Rund 40 Prozent meiner Community arbeiten selbst im Handwerk, viele davon als Tischler oder Zimmerer. Dazu kommen Unternehmer und Menschen, die einfach Spaß an gut gemachten Möbeln und Projekten haben.  

Woher nimmst du deine Ideen für Content? 

Ideen habe ich mehr als genug. Die kommen überall: beim Scrollen, unterwegs oder manchmal auch nachts nach einer Feier. Das Problem ist nicht die Kreativität, sondern die Zeit, alles umzusetzen. Manchmal finde ich Notizen auf meinem Handy und weiß am nächsten Morgen selbst nicht mehr, was ich damit eigentlich gemeint habe. 

„Menschen wollen keine Werbung sehen, sondern gute Geschichten.“ 

- Ben Berger, Tischler und Content Creator 

Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß? 

In der Tischlerei sind es die Kundengespräche und die gemeinsame Entwicklung von Ideen. Als Content Creator liebe ich die Reisen und die Möglichkeiten, die sich ergeben. Wenn man mir vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich wegen Social Media durch Island fahre oder auf großen Branchenveranstaltungen unterwegs bin, hätte ich das wahrscheinlich nicht geglaubt.  

Und was sind die Schattenseiten von Social Media? 

Viele unterschätzen den Aufwand. Für ein 45-Sekunden-Video können schnell sechs bis acht Stunden Arbeit draufgehen. Dazu kommt, dass man ständig bewertet wird. Das gehört dazu, aber spurlos geht das an niemandem vorbei.   

Warum funktioniert dein Content so gut?
 
Wenn ich das so genau wüsste. Ich glaube, es liegt daran, dass ich versuche, keine Rolle zu spielen. Neben dem Handwerk spreche ich auch über Ausbildung, Arbeitsbedingungen und andere Themen, die viele Menschen im Beruf bewegen. 

Was können Unternehmen von Content Creator lernen? 

Menschen wollen keine Werbung sehen, sondern gute Geschichten. Inhalte müssen unterhalten, inspirieren oder einen Mehrwert bieten. Das Produkt sollte nicht im Mittelpunkt stehen. Oder anders gesagt: Don't make Ads – make TikToks

Warum arbeitest du mit Festool?
 
Weil ich als Tischler hohe Ansprüche an meine Werkzeuge habe. Mich überzeugen vor allem die vielen kleinen Details, die den Arbeitsalltag einfacher machen. Außerdem setze ich lieber auf langfristige Partnerschaften als auf ständig wechselnde Kooperationen. Vertrauen entsteht über Zeit – bei Kunden genauso wie in der Community.

Zum Abschluss: Was treibt dich an? 

„Ich will einfach nie in so einen Alltagstrott kommen.“  (lacht)  
In erster Linie ist es aber die Leidenschaft fürs Handwerk, die Lust auf neue Ideen und die Fähigkeit, dabei immer auch über sich selbst zu lachen.