Die Schreinerwerkstatt des Europa-Parks

Schreiner im Reich der Illusionen

Ein Besuch beim Schreinerteam des Europa-Park.

Zweimal im Jahr schließt der Europa-Park in Rust bei Freiburg seine Pforten. Wir wollten wissen: Was passiert während der sogenannten Off-Season? Die Antwort lieferte uns das Schreinerteam von Deutschlands größtem Freizeitpark.
Jochen Köhler hebt die letzten beiden Systainer in den Transporter. Der Schreinermeister ist seit 2015 im Europa-Park tätig und kennt jeden Winkel im „Reich der Illusionen“. „Das Inventar ist allerdings keine Illusion, sondern größtenteils echt“, erzählt er uns. „Der Park verfügt über eine sehr große Sammlung echter alter Türen, Möbel, Instrumente und Kunstwerke in den Hotels, den Attraktionen und der Gastronomie. Die Exponate sind oft weit über 100 Jahre alt und müssen entsprechend professionell gepflegt werden.“ Wir schwingen uns neben ihn auf die Sitzbank des weißen Transporters des Schreinerteams. Natürlich mit Europa-Park-Logo. Köhler dreht den Zündschlüssel herum und fährt los. Unser erstes Tagesziel: der Wilde Westen. Ein Blick auf die Lagekarte verrät uns, dass der Wilde Westen tatsächlich im Westen des Europa-Parks liegt. Zufall? Oder einfach clever geplant, wie so viele Details in Deutschlands größtem Freizeitpark? „Nur weil der Park geschlossen hat, heißt das nicht, dass hier nichts los ist. Gerade jetzt haben wir jede Menge zu tun, weil zahlreiche Reparaturaufträge reinflattern. Langweilig wird es uns hier also nicht.“
Staubfrei Arbeiten mit dem Festool Absaugmobil

Bewaffnet mit Tauchsäge, Akkuschrauber und Systainer

Wir halten vor dem Saloon. Jochen Köhler schnappt sich das Absaugmobil und koppelt den Systainer mit der Tauchsäge. Den Akkuschrauber CXS klemmt er sich mit dem Clip noch schnell an den Gürtel. „Das ist mein Grund-Set-up“, erklärt er uns. „Es ist ärgerlich, wenn ich ausrücke und vor Ort feststellen muss, dass irgendein Werkzeug fehlt. Der Park ist riesig und es kostet eine Menge Zeit, wieder in die Werkstatt zurückzufahren. Deshalb rücke ich niemals ohne meine vier wichtigsten Werkzeuge aus: Akkuschrauber, Tauchsäge, Stichsäge und Absaugmobil. Damit lassen sich über 90 Prozent aller Aufträge außerhalb der Werkstatt erledigen.“
Der Festool Akku-Bohrschrauber CXS
Mobiles Arbeiten mit dem Festool Absaugmobil

Arbeiten im Wilden Westen

Wild ist im liebevoll inszenierten Wild-West-Idyll zur morgendlichen Stunde allerdings noch nichts, wir sind während der Off-Season – der besucherfreien Zeit – im geschlossenen Park unterwegs. Auch im Saloon herrscht gespenstische Stille, kein Piano klimpert vor sich hin, keine Cowboys sitzen an den Tischen und spielen Karten. Wir durchqueren zielstrebig den Raum in Richtung Bühne. Jochen Köhler zückt den Akkuschrauber CXS. Oberhalb der Bühne haben sich mehrere Sockelleisten gelöst. Es surrt mehrfach. Danach sitzt alles wieder fest an Ort und Stelle. Zum Ausruhen bleibt keine Zeit, denn Köhlers Diensthandy klingelt.
Zuschnitte mit der Festool Tauchsäge TS 75

Mit der Tauchsäge auf dem Holzweg

Kurze Zeit später sind wir unterwegs zum nächsten Arbeitseinsatz. Der Weg dorthin ist idyllisch und ebenfalls konsequent im Wild-West-Look gehalten: Zwischen Bäumen hindurch und an einem See entlang schlängelt sich ein Weg aus Holzplanken zu einer Gruppe von Tipis. Ein Blick ins Innere entlarvt das vermeintlich einfache Zelt als komfortable Unterkunft. „Die Zelte sind günstiger als die Hotels und daher bei Familien sehr beliebt. Vor allem Kinder lieben den Wild-West-Bereich. Von solch geräumigen Betten und einem beheizten Holzfußboden hätten die Indianer damals nur träumen können“, sagt Jochen Köhler lachend.

Zuschnitte mit der Festool Tauchsäge TS 75

Schönheitsreparatur im Leuchturm

Nach einer Kurve endet der Weg abrupt, zwei weitere Kollegen des Schreinerteams sind gerade dabei, die Holzplanken zu verlegen. Köhler schnappt sich seine Tauchsäge TS 55 EBQ und hilft dabei, weitere Holzplanken zurechtzusägen. „Diese Arbeiten machen wir nur im Herbst oder Winter, wenn der Park geschlossen hat. Ansonsten würden wir den laufenden Betrieb und die Besucher nur stören.“ Gerade als die letzten Planken erfolgreich zugesägt sind, klingelt Köhlers Diensthandy erneut: Eine Schönheitsreparatur in einer Leuchtturm-Suite des Hotels „Bell Rock“ wartet auf ihn.

„Wir haben durchschnittlich 5.500 Einsätze pro Jahr mit unterschiedlichen Projektgrößen. Da kann es sein, dass nur ein Türgriff zu befestigen ist oder aber ein ganzes Ladenbauprojekt mit über 300 Stunden Arbeit  realisiert werden muss.“ 

Johannes Ruh, Schreinermeister und Leiter der Europa-Park Schreinerei

Die Schreinerwerkstatt des Europa-Park
Der Akkubohrer von Festool im Einsatz
Der Akkubohrer von Fetsool im Einsatz
Die Systainer von Festool im Einsatz
Das Absaugmobil von Festool im Einsatz
Der Akkubohrer von Festool im Einsatz
Das Schreinerteam des Europa-Park
Der Wilde Westen des Europa-Parks

Ein Leuchtturm voller Promis

„Das ist einer der Gründe, warum ich diesen Job hier so mag. Du weißt nie, was dich im Laufe des Tages erwartet. Da läuft es im Freizeitpark ausnahmsweise mal genauso wie im echten Leben.“ Mit dem Aufzug fahren wir hoch in den Leuchtturm. Oben betreten wir eine zweistöckige Suite, edel und rustikal eingerichtet, mit Blick auf den gesamten Park. Nur wenige Minuten zuvor hatte eine Schauspielerin ausgecheckt. Wer es war, weiß Jochen Köhler nicht, gibt sich aber auch bedeckt, was die Namen prominenter Gäste anbelangt. So viel muss reichen: Es sind häufig welche da – unter anderem gaben sich auch Ex-US-Präsident Bill Clinton und Ex-007-Agent Roger Moore die Ehre. Ein Großauftrag wartet hier oben nicht, am Barschrank ist eine Tür defekt und am Pool im Außenbereich gibt es eine Abdeckung zu reparieren. Kleinigkeiten, die der anspruchsvollen Kundschaft aber sofort ins Auge fallen würden. Dass genau das nicht passiert, ist ebenfalls eine der zahlreichen Aufgaben der insgesamt elfköpfigen Schreinertruppe.
Das Schreiner-Team des Europa-Parks
Das Schreiner-Team des Europa-Parks

„Exotische Hölzer sind im Europa-Park eine Ausnahme. Wir verwenden im Park beim Bau neuer Möbel und Dekorelemente häufig Eiche aus deutschem Anbau. Im Innenbereich kommen überwiegend heimische Hölzer wie Fichte und Tanne aus dem Schwarzwald zum Einsatz.“ 

Oliver Weis, Schreiner im Europa-Park Team

Das Holz für die Schreinerarbeiten

Flamenco fürs Auge und fürs Ohr

Nur wenige Hundert Meter vom 4-Sterne Superior Hotel „Bell Rock“ entfernt, treffen wir im Spanischen Themenbereich auf Oliver Weis. Er ist gerade dabei, einen Parkettboden auf einer Außenbühne zu verlegen. Natürlich wird das kein gewöhnlicher Parkettboden, sondern eine Flamenco-Tanzfläche. „Der Boden hat eine Doppelfunktion“, erklärt uns Weis, „er muss einerseits sehr dick und stabil sein und andererseits viel Schall erzeugen, um den Rhythmus der Flamenco-Tänzer akustisch zu verstärken. Dafür brauchen wir ein besonderes Holz. In diesem Fall kommt Ipé zum Einsatz.“ Als Resonanzkörper dienen neben dem Holz selbst auch die kanalförmigen Hohlräume unter den Dielen. Ein cleveres Detail offenbart sich erst auf den zweiten Blick: Die Kanäle sind in Richtung des Publikums ausgerichtet, damit die Zuschauer den Tanz möglichst gut hören können. „Exotische Hölzer sind im Europa-Park eher eine Ausnahme, allein schon aus Umweltaspekten. Wir verwenden im Park beim Bau neuer Möbel und Dekorelemente häufig Eiche aus deutschem Anbau. Im Innenbereich kommen ebenfalls überwiegend heimische Hölzer wie Fichte und Tanne aus dem Schwarzwald zum Einsatz.“
Ein Schreiner des Europa-Parks
Das Holz für die Schreinerarbeiten

Vom Türgriff bis zum Ladenbau

 „Wir haben durchschnittlich 5.500 Einsätze pro Jahr – mit unterschiedlichen Projektgrößen. Da kann es sein, dass nur ein Türgriff zu befestigen ist oder aber ein komplettes Ladenbauprojekt realisiert werden soll, wie die Deutsche Allee mit über 300 Stunden Arbeit“, erzählt uns Johannes Ruh, als wir durch die Werkstatt gehen. Mit über 30 Dienstjahren ist er nicht nur der leitende, sondern auch der erfahrenste Meister der Europa-Park-Schreinerei. Eines der kleineren Projekte wartet gerade in der Werkstatt: Eine Aussparung bei einer alten Kommode muss ausgefräst werden. Ein klarer Fall für die Oberfräse OF 1000 EB, ein beliebter Klassiker, wie uns Johannes Ruh nicht ohne Stolz verrät: „Sie ist seit 18 Jahren bei uns im täglichen Einsatz und eines unserer Lieblingswerkzeuge.“ Zehntausende Einsätze haben ihre Spuren am robusten Gehäuse hinterlassen, aber von Altersschwäche ist der gestandenen Oberfräse nichts anzumerken. Souverän und präzise wird die Aussparung ausgefräst. Der letzte Auftrag für heute ist ein antikes Holzpferd: Das weit über 100 Jahre alte Holzpferd, eines der Wahrzeichen des Parks, der auch zahlreiche Reitattraktionen bietet, leidet unter Altersschwäche. Die Diagnose: Ein Ständer muss neu angebracht werden. Oliver Weis setzt den Akkuschrauber an; kurz darauf steht das Pferd wieder sicher auf der Werkbank. Vermutlich ist es genau diese Liebe zum Detail, die den Erfolg des Europa-Parks ausmacht.
Restaurierungsarbeiten in der Schreinerwerkstatt des Europa-Parks
Die Schreinerbank des Europa-Parks