Festool zu Besuch im Havfen Maker Space

Zuhause unter Machern

Werkstatt mal anders: zu Besuch im Hafven Maker Space in Hannover

Der „Hafven“ (gesprochen: Hafen) in Hannover ist ein fruchtbarer Nährboden für kreative Macher und für all jene, die es werden wollen. Vor kurzem feierte der Coworking und Maker Space seinen ersten Geburtstag – als Geschenk gab es einen Tischkicker. Selbst gebaut, versteht sich.
Unser Besuch im Hafven Coworking und Maker Space im Norden von Hannover startet um 9 Uhr an einem Samstagmorgen an der Café-Bar. Wir sind hier mit Pauline Raczkowski verabredet, sie ist für die Kommunikation im Hafven verantwortlich. Was der Name „Hafven“ bedeutet, wollen wir neugierig von ihr wissen. „Eine Mischung aus den Worten ‚Hafen‘ und ‚Haven‘ (Zufluchtsort)“, klärt uns Pauline auf. „An diesem Wochenende wird der Hafven ein Jahr alt und das ist für uns natürlich ein Grund zu feiern.“ Das Konzept: Man arbeitet mit anderen Mitgliedern zusammen im Büro (Coworking Space) oder in der Werkstatt (Maker Space) mit professionellen Werkzeugen. Das Geschäftsmodell scheint aufzugehen, die Zahl der Hafven-Mitglieder steigt monatlich. Über 800 waren es im Dezember 2017 – 1.000 Mitglieder ist das erklärte Ziel der insgesamt zehn Hafven-Gründer. Mit einem von ihnen sind wir in wenigen Minuten in der Werkstatt verabredet. Wir leeren noch schnell die Tassen und schlendern zusammen mit Pauline gespannt in Richtung Maker Space.
Vorbereitungen für den Bau des Tischkickers

Die gläserne Werkstatt

Am Eingang zur Werkstatt empfängt uns Nikolai Reichelt, er ist einer der Gründer und gleichzeitig Werkstattleiter. „Eigentlich ist die Holzwerkstatt im Maker Space keine Schreinerei im klassischen Sinn, sondern eher eine Kreativwerkstatt, in der Projekte eher unkonventionell angegangen werden“, erklärt uns Nikolai, als wir durch die Werkstatt gehen. Schon rein optisch bietet der Raum optimale Voraussetzungen für den kreativen Prozess: Durch die Glasscheiben kommt genügend Licht vom Innenhof in den Raum. Der Bereich ist nach außen hin komplett sichtbar. „Im Maker Space sind alle neugierig und erkundigen sich, an welchem Projekt die Person nebenan gerade arbeitet. Wer Erfahrung und Wissen hat, teilt das gerne und jeder gibt Tipps und Kniffe weiter. Diese gegenseitige Inspiration und besonders die Vielfalt der Projekte animieren uns dazu, neue Projekte anzugehen und eigene Ideen weiterzuentwickeln. Oft helfen sich unsere Mitglieder dabei gegenseitig.“
Zwei Schreiner im Gespräch

Eine Spielwiese für Profis

„Unter unseren Mitgliedern finden sich sowohl professionelle Nutzer als auch Anfänger. Einige wollen auch einfach mal bestimmte Werkstoffe kennenlernen oder gezielt Fertigungstechniken unter Anleitung von Profis erlernen. Viele haben natürlich auch schon ganz konkrete Projekte oder zumindest eine Idee, was sie bauen möchten.“ Hobbytüftler bekommen im Hafven Maker Space Zugang zu einem sehr umfangreichen Maschinenpark und haben hier den Raum, sich auszuprobieren und ihre Ideen umzusetzen. „Viele haben in ihrer Wohnung keinen Platz für Maschinen und für ihre Bauprojekte und sie brauchen nicht alle Maschinen die ganze Zeit. Auf dem Wohnzimmertisch Bretter für das neue Regal mit der Stichsäge zuschneiden macht einfach keinen Spaß. Dann sollte man lieber zu uns in den Hafven kommen und lernen, wie es richtig geht, und die Möglichkeiten bei uns vor Ort nutzen.“

„Ich wollte einfach mal meine eigene Lampe bauen. Als die Form feststand, habe ich verschiedene Holzarten ausprobiert. Von Ahorn und Esche bis hin zu Nussbaum und Eiche. “

Jens Thiemann - Hafven Mitglied

Eine Lampe namens "meiLi"

Eines der Hafven-Mitglieder ist Jens Thiemann. Wir treffen ihn zusammen mit „meiLi“. Das ist eine moderne LED-Tischleuchte aus Massivholz; Jens hat sie selbst entworfen und gefertigt. Der Name „meiLi“ steht für „Mein Licht“. „Ich wollte einfach mal meine eigene Lampe bauen“, erzählt uns Jens mit einem zufriedenen Lächeln. Die ersten Formstudien und Prototypen hat er alle an der Formatkreissäge zugeschnitten, sie abgerichtet und gehobelt. Dann hat er mit der Festool Oberfräse OF 2200 die Nuten für die LED-Leuchten und für das Acrylglas gefräst und die Oberflächen anschließend mit dem Exzenterschleifer ETS EC 150/5 EQ-GQ geschliffen. Das Acrylglas wurde im Hafven FabLab mit dem Lasercutter zugeschnitten. „Als die Form feststand, habe ich verschiedene Holzarten ausprobiert. Von Ahorn und Esche bis hin zu Nussbaum und Eiche. Auf unserer CNC-Fräse wurden dann die ersten fertigen Rahmen gefräst“, erklärt Jens. Nikolai ergänzt: „Wir waren sehr begeistert und haben mit Jens einen unserer Coworking-Räume komplett mit diesen Leuchten ausgestattet.“

Tischkicker selber bauen? Warum nicht!

Mittlerweile hat sich eine kleine Besuchertraube im Maker Space versammelt; zum einjährigen Jubiläum wird heute ein Tischkicker gebaut. Mit von der Partie sind die beiden Festool Anwendungsspezialisten Sascha Pickart und Tom Meisinger. Beide haben schon erfolgreich mehrere Tischkicker gefertigt – entsprechend routiniert bereiten sie die Holzelemente und die benötigten Tools vor. Kurze Zeit später geht es auch schon los: Einer der Besucher fräst unter Anleitung der Profis eines der beiden Tore mit den Oberfräsen OF 1400 und OF 1200 aus. Die Holzteile, Multiplex-Platten mit einer Dicke zwischen 19 und 28 Millimetern, sind stabil gewählt, da der Tischkicker auch lebhaften Fußballpartien standhalten muss.
Fräsen mit der Festool Oberfräse OF 1010

Teamwork ist alles

Sascha und Tom teilen sich die einzelnen Bauteile des Tischkickers auf: Tom fräst die Stollen zur Befestigung der Torseiten mit der DOMINO Dübelfräse DF 500 Q-Plus aus. Danach werden die Bauteile verleimt. Sascha fräst in der Zwischenzeit die Seiten- und Kopfteile des Spielfelds mit den Oberfräsen OF 1400 und OF 1200 zu. Abgesaugt wird mit dem Absaugmobil CTM 36. Dann werden die Bauteile mit dem PDC 18/4 fest verschraubt. Mit der Dübelfräse DF 500 werden die Stollen für die DOMINO Dübel ausgefräst und die Bauteile miteinander verbunden. Nach knappen fünf Stunden ist es schließlich so weit: Die ersten Spiele werden am Festool Tischkicker ausgetragen. Leider neigt sich unser Besuch im sympathischen Maker Space langsam dem Ende zu – nach einer knappen 6:4-Niederlage gegen Nikolai und Pauline verabschieden wir uns vom Hafven.
Abmessung der Holzzuschnitte
Der Hafven Maker Space in der Vogelperspektive.
Die Kantenfräse OFK 500 Q R3 von Festool im Einsatz.
Besucher des Hafven Maker Space spielen auf dem fertigen Festool Tischkicker.