Die Geschichte zurück aufs Meer bringen

Lerne Jani Vahto kennen

Handwerker sprechen von einem Verantwortungsgefühl, ihre Projekte so robust und langlebig wie möglich zu gestalten. Doch egal, wie geschickt man auch sein mag – letztendlich hinterlässt die Zeit immer ihre Spuren. Und wenn es soweit ist, braucht die Welt Menschen wie den finnischen Restaurator Jani Vahto, die all die Mühen früherer Handwerker wahrnehmen und wertschätzen und ihre Projekte in die Hand nehmen. Im folgenden Interview erzählt Jani uns von seinem bislang größten Projekt, der Restaurierung des Saloonboots „Bonito“ aus dem Jahr 1921, und von der Einstellung, die hinter seiner Arbeit steckt.

Liebe Jani, würdest du uns auf deiner Reise von der Projektplanung bis zur ersten Probefahrt nach der Restaurierung mitnehmen? Was gehört zu den einzelnen Schritten dazu und welche Prioritäten gibt es dabei?

Klar doch! Wir haben viele verschiedene Projekte, aber meine bisher größte Herausforderung war die Restaurierung des Saloon-Boots „Bonito“ aus dem Jahr 1921. Die Planung dieses Projekts begann schon lange vor meiner Geburt, als mein Vater zum ersten Mal versuchte, das Boot zu kaufen. Ohne Erfolg! Dann verschwand das Boot Anfang der 1990er Jahre. Mein Vater brachte das Boot bei zahlreichen Gesprächen am Esstisch zur Sprache: „Es gibt da dieses Boot namens Bonito, und eines Tages werden wir es finden und restaurieren.“ Überraschenderweise fanden wir das Boot 2008 durch Zufall, als eine ältere Dame zu dem Lagerhaus kam, in dem mein Vater einige andere Holzboote aufbewahrte. Sie sagte: „Oh, ihr habt alte Holzboote? Wir haben draußen auch ein altes Holzboot, und das ist schon reif für das Mittsommerfeuer.“ Mein Vater fragte, ob das Boot einen Namen habe, und sie antwortete: „Ja, es heißt Bonito!“ Mein Vater wäre fast in Ohnmacht gefallen, als ihm klar wurde, dass es sich um dasselbe Bonito handelte.
Wir durften das Boot dann retten, brachten es in unser Lager und fingen an, uns zu überlegen, wie wir es wieder zum Leben erwecken könnten. Also lernte ich, wie man Nachforschungen zu diesen alten Booten anstellt. Wie man frühere Besitzer ausfindig macht und wie man die Finanzierung für so ein Projekt sichert. Alles in allem: wie man das Projekt generell auf die Beine stellt. Irgendwann während des Prozesses wurde mir klar, dass ich immer mehr daran interessiert war, zu lernen, wie man diese Boote selbst restauriert. Es war eine riesige Teamleistung – gemeinsam mit meinem Vater, den Bootsbauern, dem Polsterer, dem Elektriker, den Metallbauern, vielen Freiwilligen und mir. Jetzt sind wir auf der Zielgeraden. Der Prozess war sehr hart, aber auch sehr lohnend. Er hat mir so viel gegeben – von freudigen Momenten über viele Tränen bis hin zu mindestens zwei Burnouts. Ich bin leidenschaftlich, sehr geduldig und ein bisschen verrückt. Ich vertraue auf meine Träume und hoffe, dass dieses Projekt eine Inspiration für Menschen sein wird, die daran zweifeln, ob sie ihren Träumen folgen oder sich mit etwas Sichererem zufrieden geben sollen.

In anderen Interviews hast du erzählt, dass die Leidenschaft deines Vaters für Boote und handwerkliches Können deine eigene geweckt hat. Was hat dich auf diesem Weg bis heute motiviert?

Mein Vater ist ein großartiger Handwerker und eine riesige Inspiration für mich, und ich wollte dieses Handwerk irgendwie auch lernen. Also habe ich mit den Endbearbeitungsarbeiten angefangen. Ich habe gelernt, wie man schleift und wie man lackiert. Und ich glaube, ich bin darin ziemlich gut geworden. Dann habe ich angefangen, mich für die Holzbearbeitung selbst zu interessieren. Ich besuchte eine Bootsbau-Schule, doch kurz nachdem ich angefangen hatte, erkrankte ich an Psoriasis-Arthritis, die meine Fingergelenke sehr stark beeinträchtigte. Ich musste die Schule abbrechen und war mir ziemlich sicher, dass ich diese Art von körperlicher Arbeit nie wieder ausüben könnte. Es dauerte etwa sechs Monate, bis ich die Diagnose bekam, und noch ein paar Monate, bis ich die richtigen Medikamente gefunden hatte. Irgendwann wurde mir klar, dass ich meine wiederentdeckte Leidenschaft für die Holzbearbeitung wieder aufgreifen konnte. Außerdem habe ich eine große Leidenschaft dafür, Kulturgeschichte wieder zum Leben zu erwecken, die einst ein wichtiger Teil der Geschichte unseres Landes und unserer Region war.

„Wenn ich auch nur ein einziges Boot wieder zum Leben erwecken kann, das vor 100 Jahren in unserem Archipel noch ein alltäglicher Anblick war, dann bin ich glücklich.“

Jani Vato, Bootsrestaurator in Finnland

Was ist deiner Meinung nach entscheidend für gute Handwerkskunst?

Ich finde, es ist wichtig, von so vielen Leuten wie möglich zu lernen und denen zuzuhören, die schon sehr lange in diesem Handwerk tätig sind. Ich frage immer alle Profis, wie sie bestimmte Dinge machen. Beim Lackieren gibt es zum Beispiel so viele verschiedene Methoden, und ich höre mir gerne alle an. Ich bin immer sehr dankbar, wenn sich jemand die Zeit nimmt, mir etwas beizubringen. So kann ich einen Mittelweg finden und meine Lieblingsmethode auswählen.

Welche Werkzeuge benutzt du am häufigsten?

Was Festool angeht, habe ich in letzter Zeit viele coole Sachen mit der Oberfräse OF 1400 gemacht. Auch die Kapex 120 und die Tischsäge CSC SYS 50 kommen häufig zum Einsatz. Ich habe mich sofort in die Tischsäge verliebt, als ich sie bekommen habe. Abgesehen von den Festool-Werkzeugen findet man mich ziemlich oft mit einem Lackpinsel in der Hand.

Inwiefern tragen deine Tools zu deinem Arbeitsablauf bei? Was erwartest du von deinen Tools?

Während ich mir die Holzbearbeitung Projekt für Projekt und Werkzeug für Werkzeug aneigne, habe ich wirklich festgestellt, dass die Qualität der Werkzeuge und die Möglichkeit, präzise Messungen einfach durchzuführen, einen riesigen Unterschied machen. Das unterstützt den Lernprozess, weil es Spaß macht! Und das Ergebnis ist immer fantastisch (selbst wenn mir Fehler unterlaufen). Ich erwarte eine hohe Langlebigkeit und dass die Werkzeuge präzise bleiben, wenn ich feine Arbeiten ausführen muss.

Hast du ein charakteristisches Detail bei deinen Projekten?

Da wir hauptsächlich Restaurierungsarbeiten durchführen, ist es sozusagen verboten, alte Holzoberflächen mit einer bestimmten Signatur zu versehen. Aber ich habe das Gefühl, dass meine persönliche Note gerade die Liebe zum Detail selbst ist. Ich möchte jene Details hervorheben, die vielen modernen Booten fehlen, und den Leuten helfen, sie wahrzunehmen.

Gibt es ein Boot, auf dem du gerne arbeiten würdest?

Ich habe eine Sammlung von Booten, die darauf warten, wieder zum Leben erweckt zu werden. Aber ich träume auch davon, diese große und legendäre Motoryacht namens „Paragon“ zu finden, die 1921 hier in meiner Heimatstadt gebaut wurde, aber schon Ende der 1920er Jahre verschwand. Wenn ich sie nicht aufspüren kann, um sie zu restaurieren, würde ich gerne eines Tages eine Nachbildung davon bauen. Wenn ich mit einem antiken Boot aufs Meer fahre, fühle ich mich gedanklich in die Vergangenheit zurückversetzt. Das kommt einer echten Zeitreise für mich am nächsten.

Wie stark beeinflussen Tradition und deine Heimatstadt dich und deine Arbeit?

Eine riesige Menge. Die meisten unserer Projekte entstanden ursprünglich in meiner Heimatstadt Turku, einer Stadt am Meer. Von 1889 bis 1954 hatten wir dort die größte nordische Bootswerft (Åbo Båtvarf). Dort wurden jährlich über 5.000 Boote gebaut. Ich sehe es als meine Pflicht an, so viele Boote wie möglich zu retten und wieder instand zu setzen – egal, ob das Boot mir gehört oder jemand anderem. Wir helfen anderen immer gerne und motivieren sie, ihre Boote zu restaurieren.

Was soll deinen Followern an deinen Inhalten besonders auffallen?

Ich habe meinen Account eröffnet, um meine Leidenschaft zu teilen und daraus meine eigene Art von Kunst zu schaffen. Jetzt möchte ich Menschen dazu inspirieren, mit ihren Händen zu arbeiten, unsere gemeinsame kulturelle Geschichte des Bootsbaus weltweit wiederzubeleben und bei Menschen auf der ganzen Welt Interesse an der finnischen Bootsbaugeschichte und unserem wunderschönen Archipel zu wecken.

Welcher Teil deiner Arbeit macht dir am meisten Spaß?

Neue Dinge lernen, interessante Menschen kennenlernen, andere inspirieren und die Geschichte bewahren. Die Zusammenarbeit mit Festool war ein großartiger Teil meines Weges. Tolle, zuverlässige Werkzeuge bedeuten Spaß bei der Arbeit.