Parkett par excellence

Wer beim finnischen Familienunternehmen Witick einen Parkettboden in Auftrag gibt, der bekommt alles andere als langweilige Stangenware. Denn das, was die drei Brüder Stephan, Carl und Sixten für ihre Kundschaft mit viel Leidenschaft und Liebe zum Detail auf perfekt vorbereitete Untergründe zaubern, kommt eher einem Parkett-Kunstwerk gleich als einem herkömmlichen Parkettboden. Wir haben das Team bei einem Auftrag begleitet und sind bei einem Interview der Frage „Wie macht man eigentlich einen perfekten Parkettboden?“ auf den Grund gegangen.
Der finnische Parkettleger Witick
Sixten „Datsun“ Witick
Parkettleger
Sixten „Datsun“ Witick ist einer von drei Brüdern, die zusammen das Familienunternehmen Parkettiliike Witick Ky in Finnland in der Nähe von Helsinki führen. Ihre Parkettböden sind Einzelstücke und hundertprozentig auf die Wünsche ihrer Kunden abgestimmt.

Kannst du uns ein wenig über die Geschichte von Parkettiliike Witick erzählen? Wann wurde das Unternehmen gegründet?

Unser Vater gründete das Unternehmen in den 1970er-Jahren. Wir drei Brüder Stephan, Carl und ich kamen in den 1980er-Jahren dazu. Unser Vater hatte den Wunsch, dass sein Unternehmen von uns weitergeführt wird. Wir fanden dieses Arbeitsfeld schon immer spannend, also stiegen wir mit ein. Unser Vater war ein hervorragender Pionier für uns. Er hat uns mit seiner Professionalität und seinem Stolz auf das Handwerk geprägt. Der Kunde ist für uns bei allen Aufträgen stets am wichtigsten. Unsere Arbeiten erkennt man am Eichenblatt, das wir in unsere Parkettböden einarbeiten. Wir sägen das Blatt frei Hand aus und passen es mit der Oberfräse OF 1010 in den Boden ein. Mein Job umfasst heutzutage aber noch viele weitere Betätigungsfelder wie technische Beratung, Eventorganisation und die Ausbildung von Nachwuchskräften. Ich will Dinge bewegen, um unsere Arbeit ein wenig leichter zu machen.

Welchen Parketttyp habt ihr in diesem Blockhaus verlegt?

Es handelt sich um ein Mosaikparkett. Die Dicke der Platten beträgt acht Millimeter, die Länge 16 Zentimeter. Die Breite beträgt pro Stück zwei Zentimeter. Es sind Standardhölzer, die zunächst zerlegt und dann wieder zusammengebaut wurden. Unser Ziel war, ein Schiffsdeck nachzuahmen.

Wie lange hat die Vorbereitung der einzelnen Parkettelemente benötigt?

Etwa eine Woche. Manche Handwerker wollen die Parkettelemente lieber standardisiert bauen. Das entspricht aber nicht meiner Arbeitsweise. Ich arbeite bevorzugt mit Schablonen, die entsprechend auf das Maß des Bodens zugeschnitten werden. Der verfügbare Raum und die Wünsche des Auftraggebers sind stets individuell. Außerdem muss ein neuer Boden ja immer zum bereits bestehenden Parkett passen. Es kommt also auf das Gesamtbild an.

Wie lange habt ihr gebraucht, um die Vorschnitte vorzubereiten?

Unter der Woche werden die Balken zugeschnitten. Dabei arbeite ich zunächst mit einer Schablone und passe die Zuschnitte immer weiter auf das mit dem Kunden abgestimmte Maß an. Dabei kommt die Tischkreissäge CS 70 EB zum Einsatz.

Das Parkett, das ihr verlegt habt, ist ja alles andere als ein Standardparkett. Ist das eure Geschäftsidee? Etwas Besonderes aus einem Boden zu machen?

Wir haben die Möglichkeit, auch auf die besonderen Wünsche unserer Kunden einzugehen, weil wir eine kleine Werkstatt sind. Es gibt insgesamt gar nicht so viele kleine Unternehmen bei uns hier in Finnland, die so etwas machen können. Das ist verwunderlich, denn es ist eigentlich nicht besonders lukrativ für einen Parkettleger, nur Massenware herzustellen. Wir setzen auf individuelle Lösungen – in diesem Fall hat unser Kunde einen Schiffsboden bestellt und der sollte natürlich zur restlichen Umgebung passen. Vom Blockhaus aus hat man einen grandiosen Blick über das Meer. Der Boden passt somit perfekt zum maritimen Ambiente. Unsere Böden sind so robust designed, dass sie über 100 Jahre problemlos überdauern.

„Die Vorbereitung des Untergrunds ist definitiv entscheidend. Wenn der Untergrund nicht richtig gut gemacht wird, gestaltet sich der Rest der Arbeit sehr schwierig.“

Sixten Witick - Parkettleger

Welche Sorte Holz verwendet ihr und warum?

Wir haben Eiche verwendet, weil das bereits vorhandene Parkett auch aus Eichenholz ist. Die Schienen sind aus Eschenholz. Die Esche wird aus Brettern mit der Tischkreissäge C 70 auf acht mal acht Millimeter zugesägt. Diese beiden Holzarten sind ideal für Finnland: Sie sind hart und haben dieselbe Holzstruktur. Auch lassen sie sich perfekt bearbeiten und trotzen den finnischen Wetterbedingungen.

Was war das Besondere bei diesem Projekt?

Der neue Boden musste zum alten Boden passen und mit ihm verbunden werden. Das Ganze sollte natürlich fließend und elegant ineinander übergehen. Dazu haben wir mit dem T 18-Bohrschrauber 20-Millimeter-Löcher in den Boden gebohrt, um die Eichenpfropfen zu installieren. Die Eichenpfopfen wurden schräg zum Bodenmuster eingesetzt, damit sie sich vom Boden etwas hervorheben.

Was ist typisch für finnische Parkettböden?

Meistens werden industriell hergestellte und vorgefertigte Parkettplatten verwendet. Unsere Kunden bevorzugen eher Massivholz in verschiedenen Dicken und Breiten.

Wie entfernst du die Wellen aus dem frisch verlegten Parkettboden?

Welche Wellen? Profis kennen keine Wellen im Parkett (lacht).

Ein Parkett funktioniert ein bisschen wie ein Puzzle. Woher weiß man, wie viele Teile man benötigt und wie groß sie sein müssen?

Man nimmt die Fläche des Bodens und rechnet mit 10 Prozent mehr. Die Größe der Teile steht dabei stets in Relation zum Raum: Kleiner Raum, kleine Teile. Großer Raum, größere Teile. Es kommt immer auf das Gesamtbild an.

Was ist der schwierigste Teil beim Bauen und Verlegen eines Parkettbodens?

Die Vorbereitung des Untergrunds ist definitiv entscheidend. Wenn der Untergrund nicht richtig gut gemacht wird, gestaltet sich der Rest der Arbeit sehr schwierig.

Ihr setzt auch den Vorabscheider CT-VA ein. Bist du zufrieden damit?

Der funktioniert ziemlich gut! Er ist ja transparent und ich kann sofort sehen, wann er voll ist. Außerdem muss ich den Staubbeutel nicht so oft leeren, weil der Vorabscheider das meiste schon rausfiltert. Den Staubbeutel muss ich dann nur noch leeren, wenn er später richtig voll ist. Außerdem schützt er den Staubbeutel, da viele Materialien wie Steine, feuchter und trockener Staub vorher abgefiltert werden.

Die Winter in Finnland sind kalt, lang und dunkel. Welche Rolle spielt Licht in deinem Job?

Licht spielt eine sehr wichtige Rolle bei diesem Gewerk und ich hoffe, dass es zukünftig noch mehr Produkte von Festool mit Lichtausstattung geben wird. Neben dem SYSLITE DUO nutze ich zusätzlich noch eine Kopflampe. Wir können unsere Fehler nicht so einfach verstecken, obwohl es hier in Finnland oft dunkel ist (lacht).

Welchen Herausforderungen begegnet ihr sonst noch im Alltag?

Herausforderungen gibt es jede Menge (lacht). Für uns ist es immer schwierig, wenn Innenraumarchitekten einen Raum designen. Deren Pläne sind für uns oft schwer umzusetzen. Wir müssen diese teils mehrfach abändern, damit sich das technisch umsetzen lässt und trotzdem weitestgehend ihren Plänen entspricht. Nicht selten fehlt es den Architekten an Erfahrung und technischem Verständnis – das ist meistens die größte Herausforderung für uns.

Du sprachst vorhin vom Nachwuchs im Handwerk: Welche Fähigkeiten sollte ein Parkettleger denn mitbringen?

Er sollte auf jeden Fall Begeisterung für das Handwerk, Kreativität und Leidenschaft mitbringen. Das Tolle an diesem Beruf ist, dass man etwas mit den eigenen Händen schaffen kann und seine Spuren hinterlässt. Auch wenn die Arbeit manchmal hart ist und die Tage lang sind – das Ergebnis belohnt einen dann doch immer.