Ein Mann, ein Schaukelstuhl

Von der Stange kaufen? Kommt nicht in Frage: Warum es glücklich macht, seine Möbelstücke selbst zu bauen.

 

Text: Sebastian Stoll Fotos: Andreas Löchte

Seit Jahren träumt Michael Möllmann von einem „Rocking Chair“ wie ihn einst US-Präsident John F. Kennedy besaß. Zusammen mit dem Tischler Karsten Schillings sollte der Traum vom Schaukelstuhl Wirklichkeit werden. Im Teamwork gehen Profi und Laie das Projekt gemeinsam an. Unverzichtbare Helfer bei diesem anspruchsvollen Projekt: die Dübelfräsen DOMINO DF 500 und DF 700 von Festool.

„Falls ich hingehe, geht er mit“, war John F. Kennedys Antwort auf die Frage, ob er seinen Schaukelstuhl auch ins Weiße Haus mitnähme, wenn er die Wahl zum Präsidenten gewinnen würde. Der Rest ist Geschichte. Kennedy soll etwa ein Dutzend dieser Stühle besessen haben. Tatsächlich zeugen viele Fotos von der Liebe des US-Präsidenten zu seinem Schaukelstuhl, den er nicht nur ins Weiße Haus mitnahm, sondern auch in die Air Force One. Im Jahr 2013 wurde einer von Kennedys Schaukelstühlen für 87.000 US-Dollar versteigert. Sein Lieblingsstuhl erfreut sich also bis heute größter Beliebtheit. Auch bei Michael Möllmann: Er wollte schon immer auf einem Kennedy-Stuhl sitzen. Doch für einen Bau in Eigenregie ist der Stuhl zu komplex – ein Kauf kam nicht infrage. So blieb der Schaukelstuhl des Präsidenten lange Zeit ein Traum. Bis seine Frau eines Tages einen Geschenkgutschein für einen Workshop bei einem professionellen Tischler kaufte.

„Kopfwerker“ trifft Handwerker
„Anfangs war ich noch etwas ratlos, wie ich so ein vergleichsweise komplexes Möbelstück konstruieren und es zusammen mit einem ungeübten Laien bauen sollte“, erinnert sich Tischler Karsten Schillings an die Anfangsphase des Projekts. „Einen Stuhl zu bauen, ist hier schon eine Herausforderung, aber ein Schaukelstuhl ist noch etwas anspruchsvoller.“ Dennoch bleibt der gestandene Tischlermeister gelassen. Er ist schließlich erfahren im Umgang mit Workshop-Besuchern, die er liebevoll „Kopfwerker“ nennt. In seiner Tischlerei in Münster bietet er regelmäßig Laien den Einblick in die professionelle und anspruchsvolle Arbeit des Schreinerhandwerks.

Perfekte Geometrie und Ergonomie
Karsten Schillings macht sich direkt an die Vorbereitung der „Operation Schaukelstuhl“, an deren Anfang die Konstruktion auf Basis von Handskizzen und einer CAD-Zeichnung steht. Danach geht es an den Bau eines Dummys aus Dachlatten und Multiplex-Platten, um die optimale Geometrie für den Schaukelstuhl zu finden. Schließlich zeichneten sich Kennedys Schaukelstühle aus durch eine hervorragende Ergonomie, breite Armlehnen und eine sehr gute Belüftung. Es folgen mehrere Sitzproben, um die Proportionen aufeinander abzustimmen. Dann kann der Bau des echten Stuhls beginnen. Die wichtigste Rolle spielt dabei die Wahl des richtigen Holzes: „Ich habe mich bei der Materialauswahl für Eschenholz entschieden. Das ist hart, aber gleichzeitig flexibel. Deshalb kam es früher auch bei den Federn und Speichen von Kutschen zum Einsatz“, erklärt Schillings und ergänzt mit einem zufriedenen Lächeln: „Wir hatten das Glück, eine 65 Millimeter dicke Eschenbohle mit stehenden Jahresringen bei einem Holzhändler zu ergattern. Die Bohle war komplett verkernt, man spricht auch von einem Olivkern. Dadurch hatten wir eine hübsche rötliche Färbung und Maserung.“

Ein Schaukelstuhl fürs Leben
„Ich habe mich für eine sehr geradlinige Lösung entschieden und den DOMINO Fräsen beim Bau eine zentrale Rolle zugedacht“, sagt Schillings und erläutert: „Die beiden Dübelfräsen sind ideal, um die zahlreichen Verbindungsstollen für die Dübel sehr präzise auszufräsen. Das ist besonders wichtig, weil die Verbindungen auch ohne Verschraubungen sehr stabil sein müssen. Mit der DF 500 wurden nahezu sämtliche Verbindungen mit entsprechend unterschiedlich dicken Dübeln gemacht. Für die besonders stark belastete Verbindung vom Stuhl zur Kufe kam dann die DF 700 mit größeren 14-Millimeter-Dübeln zum Einsatz.“ Neben den DOMINO Dübelfräsen wurden auch die Kantenfräse OFK 500 Q-Plus R3 zum Abrunden der Kufenelemente und der Armlehnen sowie der kompakte Akkuschrauber TXS verwendet. „Ein ideales Tool-Setup für dieses Projekt“, so Schillings: „In Kombination haben wir das bestmögliche Ergebnis erzielt. Schließlich kommt es nicht nur darauf an, einen Stuhl fertig zu bauen, er soll im Idealfall ja auch ein Leben lang halten.“

Sitzt wie angegossen
Nachdem sämtliche Stollen ausgefräst wurden, verbinden Schillings und Möllmann sämtliche Elemente des Schaukelstuhls – Verstrebungen, Kufen und Armlehnen – mit den passenden DOMINO Dübeln. Danach wird alles sauber verleimt. Jetzt heißt es warten, bis der Leim getrocknet ist. Am Ende wird die Oberfläche mit dem Exzenterschleifer ETS 125 noch mal sauber glatt geschliffen und geölt, um die schöne Maserung des Eschenholzes hervorzuheben. Nach 50 Stunden ist es so weit: der Schaukelstuhl nach Kennedys Vorbild ist fertig. Und bereits nach der ersten Sitzprobe steht fest: der Stuhl sitzt wie angegossen, im wahrsten Sinne des Wortes. JFK hätte in Möllmanns selbst gebautem „Rocking Chair“ mit Sicherheit auch gerne einmal Probe gesessen.