Lehm- und Kalkputze in der Verarbeitung

Was zu beachten ist: Die richtige Anwendung von Lehm und Kalk

Lehm und Kalk gehören zu den ältesten Baumaterialien der Menschheit. In jüngster Zeit werden sie wieder entdeckt, weil sie besonders ökologisch sind und für ein gesundes Raumklima sorgen. Wir haben zusammengestellt, was Lehm- und Kalkputze auszeichnet und wie man sie richtig verarbeitet.

Lehm- und Kalkputze

Lehm- und Kalkputze sind mineralische Putze. Sie gelten beide als besonders feuchtigkeitsregulierend und atmungsaktiv. Lehmputz ist in der Lage, Schadstoffe aus der Raumluft zu binden. Dasselbe gilt für den Kalkputz, der zudem bekannt ist für seinen hohen ph-Wert und gegen Schimmelpilz wirkt. Aber Vorsicht: Kalkputz ist nicht gleich Kalkputz. Alle Arten von Putzmörtel mit einem Kalkanteil von mindestens 3 Prozent dürfen als Kalkputz verkauft werden. Ihre spezifischen Eigenschaften entfalten Kalkprodukte aber nur ohne Beimischung von Zement oder chemischen Zusätzen. In der Grafik sind die Vorzüge von Lehm- und Kalkputzen dargestellt. So eignen sich Kalkputze für Innen- und Außenwände gleichermaßen. Lehmputz ist hingegen bei Nässe empfindlicher und deshalb im Außenbereich nur bedingt einsetzbar.

Lehmputze

Vorteile

- Leicht zu verarbeiten und kann auf nahezu allen Untergründen aufgebracht werden.
-Ressourcenschonender Baustoff, zu 100 Prozent wiederverwertbar. -Diffusionsoffen und wärmespeicherfähig.
- Allergieneutral und hemmt elektromagnetische Strahlung.
- Bindet Schadstoffe und Gerüche.
- Schall- und brandhemmend.
- Geringe Materialkosten (ca. 3–10 Euro/qm).

Nachteile

- Weichere und damit empfindlichere Oberfläche.
- Empfindlich gegen direkte oder dauerhafte Nässe.
- Weniger geeignet an Außenwänden oder in Nasszellen.

Kalkputze

Vorteile

- Diffusionsoffen und wärmespeicherfähig.
- Hoher ph-Wert (Alkalität) verhindert Schimmelbildung und tötet Keime.
- Wirksamer Schutz gegen Ungeziefer.
- Bindet Schadstoffe und Gerüche.
- Schall- und brandhemmend.
- Größeres Farbspektrum als bei Lehmputz.

Nachteile

- Langsamer zu verarbeiten.
- Raumklimatische Wirkung erst bei Putzstärken von mindestens 15 mm.
- Vergleichsweise hohe Materialkosten (ca. 20–50 Euro/qm).

Verarbeitung

Kalkputz sollte zügig verarbeitet werden, da er an der Luft schnell aushärtet. Beim Lehmputz lässt sich durch Zugabe von Wasser die Bearbeitungszeit verlängern. Trotzdem sollte immer nur so viel Spachtelmasse angemischt werden, wie innerhalb von ein bis zwei Tagen verarbeitet werden kann.

Lehmputz

Vorbereitung des Untergrunds

- Der Untergrund sollte fest, staub-, öl- und fettfrei sein.
- Saugende Untergründe vor demAuftrag leicht anfeuchten.
- Übergänge zwischen unterschiedlichen Untergrundmaterialien mit Putzträgern oder Armierungsgeweben stabilisieren.

Verputzen

- Einlagige Lehmputze eignen sichfür ebene Untergründe mit guter Saugfähigkeit, wie z.B. Ziegel oder Lehmsteine.
- Bei zweilagigen Lehmputzen wird die erste Schicht rau abgezogen und nach 12 Stunden die zweite Schicht aufgetragen.
- Je nach gewünschter Oberflächengüte können für Unterputz (grob) und Oberputz (fein) unterschiedliche Materialqualitäten und Körnungen verwendet werden.
- Verarbeitung bei mind. 5 °C Luft- und Mauertemperatur.

Anstrich

- Beim Anstreichen von lehmverputztenWänden daraufachten, dass die Offenporigkeit der Wand aus Lehmbaustoffen erhalten bleibt.
- Die am häufigsten verwendeten Anstrichstoffe sind Lehmfarben, Kalkkaseinfarben und mineralische Farben (z.B. Silikatfarben).

Kalkputze

Vorbereitung des Untergrunds

- Der Untergrund sollte fest, staub-, öl- und fettfrei sein.
- Untergründe je nach Wasseraufnahmefähigkeit gut vornässen.
- Vor dem Putzauftrag darf keinWasser auf der Oberfläche stehen.
- Übergänge zwischen unterschiedlichen Untergrundmaterialien mit Putzträgern oder Armierungsgeweben stabilisieren.

Verputzen

- Kalkputze werden in der Regel zweilagig aufgebracht.
- Jede Putzlage ist beim Auftrag ausreichend nass zu halten.
- Beim Unterputz beträgt die Putzdicke 10–20 mm.
- Beim Oberputz sollte die Putzdicke 3–5 mm betragen.
- Faustregel für die Trocknungszeit: 1 Tag pro Millimeter Auftragsdicke.

Anstrich

- Für den Kalkanstrich am besten Kalkfarben bzw. Streichkalk verwenden.
- Vermeiden des oftmals empfohlenen Sperrgrunds vor dem Anstrich.
- Deckende Farbtöne brauchen mehrere Anstriche.
- An Stellen starker Beanspruchung den Anstrich z.B. mit Olivenseife behandeln, dann ist er abwaschbar.

Anrühren von Lehm- und Kalkputzen

Putze und Farben müssen ordentlich angemischt werden, damit sich die Bestandteile richtig vermengen. Am besten mit einem leistungsstarken Rührwerk.Was aber die wenigsten wissen: Auch auf die passenden Rührkörbe kommt es an. Sie drehen das Rührgut rechts oder links herum und mischen die Massenach oben oder unten auf.

Lehmputz besteht hauptsächlich aus Sand, Lehm und Ton. Kalkputz in seiner natürlichen Form aus Sand und Kalk bzw. Kalkstein. Die Putze werden mit Wasser angerührt. Die Dosierung und das Mischverhältnis hängen in beiden Fällen von der jeweiligen Anwendung ab.

Lehmputze

Lehmputze gibt es in Pulverform als Sackware, in selteneren Fällen auch erdfeucht im Gebinde.

REZEPTUR

Lehm-Unterputz

- 2 Teile Lehmpulver
- 4 Teile Sand (0–2 mm)
- 1 Teil Strohhäcksel
- Wasser nach Bedarf Lehm-Oberputz
- 2 Teile Lehmpulver
- 5–6 Teile Sand (0–2 mm)
- 0–1 Teil Strohhäcksel
- Wasser nach Bedarf

Lehm-Streichputz

- 1 Teil Lehmpulver
- 2 Teile Sand (0–1 mm)
- Wasser nach Bedarf

MISCHVORGANG

1. Wasser in einen Eimer gießen.
2. Lehmspachtel bei laufendem Rührwerk einstreuen und sorgfältig rühren.
3. Spachtelmasse ca. 20 Minuten quellen lassen.
4. Vor der Verarbeitung die Spachtelmasse noch mal aufschlagen.

Kalkputze

Kalkputze setzen sich aus den drei Grundbestandteilen Kalkhydrat, Sand und Wasser zusammen. Der Kalkanteil ist in Form von Pulver (gelöschter Kalk) als Sackware oder als Sumpfkalk erhältlich.

REZEPTUR

Kalk-Unterputz

- 1 Teil Kalk
- 3–4 Teile Sand
- Wasser nach Bedarf

Kalk-Oberputz

- 1 Teil Kalk
- 4–5 Teile Sand
- Wasser nach Bedarf

Kalk-Streichputz

- 1 Teil Kalk
- 3–5 Teile Wasser

MISCHVORGANG

1. Wasser in einen Eimer gießen.
2. Kalkspachtel bei laufendem Rührwerk einstreuen und sorgfältig rühren.
3. Spachtelmasse ca. 5 Minuten quellen lassen.
4. Danach Spachtelmasse noch mal aufschlagen und zügig verarbeiten.

Mineralisch – Tierisch – Vegan

Lehm- und Kalkputze sind mineralische Baustoffe. Aber zur Armierung werden auch pflanzliche Fasern, wie Stroh oder Hanf eingearbeitet. Neben dieser „veganen“ Variante gibt es noch eine „tierische“: So werden zur Armierung auch Schweineborsten verwendet; Magerquark (ca. 1 Pfund auf 10 Liter) führt zur Bildung von Kalkkaseinat und erhöht die Wetterbeständigkeit von Kalkputzen.

Natürlich – Farbig

Aufgrund der Eigenfarbe von Lehmputz ist das mögliche Farbspektrum eingeschränkt. Mit naturweißem pulverigen Kalkputz kann jeder erdenkliche Farbton erzielt werden. Bei nassem Sumpfkalk kann auch das Sinterwasser verwendet werden,um einen Farbton anzusetzen und einzumischen. Generell gilt: Durchgefärbte Oberputze sind beständiger und haltbarer als Lasuren und Anstriche.