Aus Liebe zum Holz

Zwei Schreinerinnen - eine Leidenschaft. Ein Besuch bei der Allgäuer Holzliebelei.

Wenn Lisa Marie Martach und Ricarda Mayer mit ihrer Schreinerei & Raumgestaltung Allgäuer Holzliebelei ein Projekt angehen, dann entstehen unter dem Einsatz von Leidenschaft, Können und Einfallsreichtum Möbelunikate aus Alt- und Massivholz. Wir haben die beiden kreativen Schreinerinnen im Allgäu besucht.

Auf Schatzsuche im Altholzlager

Das Allgäu zeigt sich an diesem Tag von seiner besten Seite. Sattes Grün, soweit das Auge reicht, Kühe grasen auf der Weide, die umliegende Berglandschaft übernimmt dabei die Funktion eines Bilderrahmens für das frühsommerliche Idyll. Doch wir sind – im Gegensatz zu den knapp vier Millionen Touristen, die jährlich ins Allgäu pilgern – nicht zur Erholung hier. Wir treffen die beiden Gründerinnen der Allgäuer Holzliebelei, ein noch junges Schreinerunternehmen mit Sitz in Isny im Landkreis Ravensburg.
Wir laufen zusammen in Richtung ihres Altholzlagers. Zahllose Holzbalken warten hier nur darauf, entdeckt zu werden. „Ein altes Stück Holz ist noch längst nicht an seinem Lebensende angelangt“, sagt Ricarda. „Die meisten Balken stammen aus abgerissenen Scheunen. Manche sind schon einige Jahrzehnte oder gar mehrere Hundert Jahre alt.“ Lisa und Ricarda halten Ausschau nach besonderen Holzbalken für ihren nächsten Auftrag. Es erinnert fast ein wenig an eine Schatzsuche, wenn die beiden durch ihr Lager gehen. 

„Durch unsere Arbeit wird altes Holz in Form eines einzigartigen Möbelstücks am Leben erhalten. Es ist einfach furchtbar schade, wenn Holz mit solch einer Historie als Brennholz im Ofen endet.“

Ricarda, Schreinermeisterin Allgäuer Holzliebelei

„Altholz ist definitiv unser Lieblingsholz“, erzählt uns Lisa mit leuchtenden Augen. „Durch unsere Arbeit wird es gerettet und in Form eines einzigartigen Möbelstücks am Leben erhalten. Es ist unsere Mission, aus altem Holz etwas Neues, Schönes und Nachhaltiges zu schaffen. Es ist einfach furchtbar schade, wenn ein historisches Holzstück als Brennholz im Ofen landet.“

„Sich in die Köpfe der Kunden hineinversetzen“

Bevor die neuen Möbel kreiert werden, besuchen die zwei Schreinerinnen ihren heutigen Kunden Marco bei ihm zu Hause. So können sie sich einen Überblick verschaffen und lernen den Kunden besser kennen. Danach kommt Marco zu den beiden ins Planungsbüro nach Isny, um die ersten Entwürfe der Badrenovierung bei einer Tasse Kaffee zu besprechen. Die Atmosphäre ist gemütlich, beinahe schon familiär. Das liegt auch an der Einrichtung des Büros: modernes Design, gepaart mit traditionellen Werkstoffen, ein perfekter Ort für den persönlichen Austausch mit den Kunden. Für Lisa und Ricarda ist das ein entscheidender Moment: „Nur so können wir uns in die Köpfe hineinversetzen und die individuellen Wünsche hundertprozentig erfüllen. Das ist ein wesentlicher Teil unseres Konzepts und gleichzeitig auch einer der großen Unterschiede zu einem Möbelstück von der Stange.“

Kreativer Schöpfungsprozess

Die Unikate entstehen allesamt zunächst am Schreibtisch. In einer Skizze wird das Wunschmöbelstück zum ersten Mal sichtbar. „Das ist für mich immer ein ganz besonderer Moment“, verrät uns Ricarda. „Hier kann man seine Kreativität voll einbringen und gleichzeitig die Wünsche der Kunden eins zu eins umsetzen.“ So unterschiedlich wie die Aufträge sind, so unterschiedlich ist auch die Schwierigkeit der Projekte: „Unser anspruchsvollster Job bisher war der Bau einer Weinlounge-Ecke in einem Privathaus. Momentan planen wir die Ausstattung einer Bar. Dabei erstellen wir auch das gesamte Raumdesign und fertigen später die einzelnen Elemente“, berichtet Lisa.

„Wir sind nicht auf den Mund gefallen“

Dass die beiden sich in einer Männerdomäne bewegen, macht ihnen nichts aus – ganz im Gegenteil: „Wir können gut mit den Baustellen- und Handwerkerwitzen umgehen und Konter geben“, sagt Lisa und lacht. „Aber Spaß beiseite: Im Großen und Ganzen begegnen wir uns auf Augenhöhe, aber es ist gut, dass wir nicht auf den Mund gefallen sind und uns beweisen und durchsetzen können. Wir haben außerdem oft auch total überraschende und positive Begegnungen mit unseren männlichen Kollegen. Insgesamt ergänzt sich das eigentlich ziemlich gut. Und am Ende wollen wir ja alle das Gleiche: Etwas Eigenes erschaffen und den Kunden mit unseren Möbelstücken und Raumkonzepten ein Lächeln ins Gesicht zaubern.“